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Michel de Montaigne - Biographie


1574

Karl IX. stirbt vierundzwanzigjährig. Sein Nachfolger wird sein Bruder Heinrich III. (1551-1589).


Heinrich III.


1577-1580
Das zweite Buch der Essais entsteht. Montaigne wird sowohl von Heinrich III. als auch von Heinrich von Navarra zum Kammerherrn (Gentilhomme ordinaire de la Chambre du Roi) ernannt.

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Erstmals erkrankt Montaigne an Nierensteinen. Das Thema Medizin und Körperlichkeit generell wird von Montaigne überaus offen, gleichsam schamlos in den Essais thematisiert:"Ich ringe mit der schlimmsten, heftigsten, schmerzhaftesten, tödlichsten und unheilbarsten Krankheit. Ich habe bereits fünf bis sechs harte und hartnäckige Anfälle von ihr ausgehalten...Von meiner Kolik habe ich wenigstens den Vorteil, dass sie dasjenige vollends überwinden wird, was mir bisher noch im Wege stand, um mich mit dem Tod völlig bekannt zu machen, denn je mehr sie mich plagt und peinigt, je mehr wird sie meine Furcht vor dem Tode verringern."

Schon sein Vater hatte diese Krankheit und ertrug sie sieben Jahre lang, bevor er an einem besonders großen Stein höchst qualvoll starb. Montaigne wird sich vehement gegen die Quacksalberei der zeitgenössischen Ärzte wenden. Allein Kuraufenthalte in verschiedenen Bädern scheinen eine Ahnung von Linderung gebracht zu haben. So plant er gewiss seine große Tour durch Europa auch als Route zu den verschiedenen Heilbäder.


Frontseite der Essais


1580

Am 1. März erscheinen die ersten beiden Bände der Essais bei Simon Milanges in Bordeaux.


Aufbruch Torquato Tassozur "Großen Reise".

Montaigne übereicht unterwegs in Paris Heinrich III. seine Essais. Er nimmt an der Belagerung von La Fère teil, wo sein Freund Graf de Gramont und Guiche von einer Kugel getötet wird.

Er reist Anfang September mit verschiedenen Begleitern (unter anderen seinem Bruder Bertrand) weiter zu den Kurbädern von Plombières. Über Thann, Mühlhausen geht die Reise nach Basel. Die nächste Station sind einige Städte in Deutschland. Besonders imponiert Montaigne Augsburg. Über Innsbruck und den Brenner kommt die Reisegruppe in Italien an.


In Ferrara besucht er den geisteskranken Torquato Tasso im Spital die Sant' Anna, wo der Dichter seit 1579 als Patient eingeschlossen war:"Ich fühlte noch mehr Unmut als Mitleiden, als ich ihn zu Ferrara in diesem erbärmlichen Zustand sah, wie er sich selbst überlebte und weder sich noch seine Werke mehr kannte."

Die Gregor XIII.Reise geht bald Richtung Rom, dem eigentlichen Hauptziel der Tour, weiter. Unterwegs war Montaigne und sein adeliger Anhang gern gesehener Gast an den jeweiligen Höfen.


Ende November erreicht die Reisegruppe endlich die ewige Stadt. Am 29. Dezember kommt es zur Audienz und Kniefall bei Papst Gregor XIII.:"Der Papst zeigte ein sehr freundliches Gesicht und ermahnte den Herren von Estissac zu Eifer und Tugend und den herrn von Montaigne, er möge in seiner alten stets bezeigten Ehrehrbietung für die katholische Kirche und den allerchristlichsten König fortfahren."


Montaigne macht während seines Aufenthaltes Bekanntschaft mit der Zensurbehörde der Kurie, die viele Stellen in den Essais als nicht rechtgläubig kritisiert. Montaigne nahm sich später bei seinen Korrekturen die Freiheit, keine angemahnte Passage zu streichen. Aufschlussreich die Tatsache, dass Montaignes Werke kaum hundert Jahre später tatsächlich auf dem Index der verbotenen Bücher stehen werden.