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Michel de Montaigne - Biographie


1533

Michel Eyquem de Montaigne Portraits Montaigneswird am 28. Februar 1533 auf Château de Montaigne in der Nähe von Libourne im Périgord (heute Departement Dordogne) geboren.


"Ich wurde geboren zwischen 11 und 12 Uhr mittags am letzten Tag des Februar 1533.

Wenn ich von vielen Lastern frei bin, so danke ich es mehr als meiner Vernunft dem Glück. Es ließ mich aus einem Geschlecht zur Welt kommen, hoch angesehen wegen seiner Rechtlichkeit, und von einem sehr guten Vater. Ich weiß nicht, ob ich etwas von seinem Charakter geerbt habe oder ob das häusliche Beispiel oder die gute Kinderstube dazu geholfen haben, oder ob ich sonst so geboren bin, jedenfalls sind mir die meisten Laster von Haus aus ein Gräuel."


Er ist erstgeborener Sohn des wohlhabenden Kaufmanns und hohen Richters am Parlament von Bordeaux (dem obersten Gerichtshof der Aquitaine) Pierre Eyquem (1495-1568) und seiner Frau Antoinette (de Louppes de Villanueva, die vermutlich jüdischer Herkunft war). Beide hatten 1529 geheiratet.


Ob die Familie Eyquem ursprünglich aus England stammt, wie Montaigne selbst andeutet, läßt sich nicht ausmachen. In Anbetracht der nahen Verbindung zwischen England und Südfrankreich in der Plantagenet-Zeit wäre es nicht unmöglich.


Der Vater hatte Franz I. bei seinen italienischen Feldzügen begleitet, bevor er die Ämterlaufbahn einschlug.

Michel de Montaigne stammt aus der hohen Noblesse de robe (Amtsadel). Das bedeutete, dass Ämter von Generation auf Generation weitergegeben wurden. Montaigne übernimmt später selbstverständlich das Richteramt von seinem Vater.

Noch Montaignes Urgroßvater war einzig Händler von Wein und getrochnetem Fisch etc. in Bordeaux und dort zu Reichtum gekommen.

Innerhalb von keinen drei Generationen waren die Montaignes also zu einer der ersten Familien in Bordeaux geworden.

Michel ist, wie erwähnt, nach zwei Schwestern der erstgeborene Sohn. Er hat insgesamt sieben Brüder und Schwestern.


Die BordeauxKinder werden unkonventionell, gleichsam experimentell erzogen. Zunächst überläßt der Vater seinen Sohn als Säugling zur Abhärtung einfachen Landleuten im wenige Kilometer nördlich gelegenen Dorf Papessus. Dem Volk wird Montaigne Zeit seines Lebens ohne den sonst üblichen Dünkel seiner gesellschaftlichen Klasse gegenüberstehen. Im Gegenteil, er wird die Einfachheit und Vitalität des Volkes stets bewundern. Auch sein Stil wird niemals den überladenen höfischen Stil annehmen, sondern Lakonie, Schlichtheit, Anschaulichkeit gelten Montaigne stets als Ideal:""Die Sprache, die ich liebe, ist einfach und natürlich: auf dem Papier nicht anders als aus dem Mund; eine Sprache voller Saft und Kraft, kurz und bündig, weniger geschniegelt und gebügelt als unverblümt und ungestüm;...fern aller Geziertheit, gewagt, ...nicht schulmeisterlich, nicht pfäffisch, nicht advokatisch, sondern soldatisch..."


Der Vater stellt in einer zweiten Erziehungsstufe als Privatlehrer den deutschen Arzt Horstanus an, der ausschließlich Lateinisch mit den Knaben spricht. Auch die Hausangestellten sprechen ihren begrenzten Möglichkeiten nach ausschließlich Lateinisch mit den Kindern. Montaigne selbst wird später in den Essais erwähnen, dass er der Sprache der Römer früher mächtig war als seiner eigenen Muttersprache:"Ohne Kunst, ohne Buch, ohne Grammatik und Regel, ohne Ruten und Tränen hatte ich ein so reines Latein gelernt, wie mein Lehrer es konnte."


Später schreibt Montaigne:

"Trotzdem, wenn es auch vierzig Jahre her ist, daß ich mich dieser Sprache zum Sprechen gar nicht mehr, zum Schreiben nur wenig bedient habe, so ist sie mir doch gleichsam natürlich; ich verstehe sie besser als Französisch. Bei außerordentlicen, plötzlichen Gemütserregungen, die zwei- oder dreimal in meinem Leben mich überfallen haben - einmal als mein Vater bei voller Gesundheit mir ohnmächtig in die Arme sank - da waren allemal die ersten Worte, die aus dem Innersten meiner Seele hervorbrachen, lateinisch."


Und das Wichtigste: ihmChateau Montaigne werden offenbar über lange Zeit alle Formeln und Sprüche der christlichen Latinität vorenthalten, die ihm deshalb auch später nicht leicht über die Zunge gehen; er wächst gleichsam als "Heide" auf, der sich dieses Heidentum nicht wie viele andere und spätere im Aufbegehren gegen elterliche Christlichkeit ertrotzt, sondern es quasi mit der Ammenmilch und als römisch erzogenes Kleinkind ganz naturwüchsig erwirbt, als das für ihn in seiner Welt Selbstverständlichste.


Michel de Montaigne wird seines Vaters später stets positiv gedenken:"...nie hat es eine liebreichere und leutseligere Seele gegeben."


1539-1546

Michel de Montaigne besucht das in Bordeaux 1533 gegründete Collège de Guyenne. Unter den Fratres Gouvéa, dem großen schottischen Latinisten Buchanan erhält er eine humanistische Schulbildung. PlutarchDas Kolleg gilt gleichsam als das Tor der Humanismus in Bordeaux.

Was heißt das? Vor allem lernt Montaigne die klassischen Texte der Antike kennen und lieben. Plutarch, Seneca und Tacitus, seine späteren Lieblingsschriftsteller lernt er ebenso genau kennen wie Vergil, Terenz, Cicero und Plautus.


Diese Erziehung geht grundlegend in alle seine späteren Werke ein. Hugo Friedrich bemerkt in seiner brillanten Studie über Montaigne:"Man darf sagen, dass der gesamte Gedankenvorrat Montaignes, also nicht bloß seine Stoffe; sondern auch seine Denkbildung durch das Altertum betimmt ist."


Michel de Montaigne schult dazu seinen Stil. Rhetorik und Dialektik gehören selbstverständlich zum Lehrkanon. Trotzdem wird er nach den Jahren des spielerischen Lernens, angeregt durch seinen Vater, die Zeit an dieser hochgelobten Erziehungsanstalt eher negativ beurteilen.


Wie sehr ihn diese antiken Schriftsteller existenziell prägen, beweisen die berühmten Sprüche, die Montaigne viel später in seinem Denkturm schriftlich zur steten Mahnung festhalten wird.

Und sosehr er die Unabhängigkeit von Vorbildern anstrebt, bemerkt Montaigne später:"Aber ich kann mich nicht so leicht von Plutarch losmachen. Er ist bei aller Gelegenheit so gemeinnützig und reichhaltig, daß er einem immer, was für einen sonderbaren Gegenstand man auch vorhabe, bei der Arbeit zustatten kommt und eine freigebige, unerschöpfliche Hand an Reichtümern und Verschönerungen darreicht."


1546-1553

Montaigne studiert Rechtswisssenschaft in Bordeaux und Toulouse. Zur Erinnerung: Montaigne ist dreizehn Jahre alt, als er sein Studium beginnt und 19 Jahre, als er es beendet!

Dies ist zwar für die damalige Zeit durchaus üblich, trotzdem einigermaßen befremdlich, bedenkt man unsere Universitätslandschaft...


Vermutlich verläßt Michel de Montaigne seine Heimatstadt Bordeaux, um den dortigen politischen Wirren zu entgehen.