Stefan Zweig: Montaigne

 

Dieses Fragment über den als geistesverwandt empfundenen Montaigne schreibt Stefan Zweig in der Zeit vor seinem Freitod in Brasilien.

Man kann über Stefan Zweig sagen was man will, aber seine Bücher als Jugendlicher gelesen zu haben, vor allem sein Werk über Joseph Fouche, empfinde ich immer noch als großes Glück.

Gerne möchte ich Frizztext aus seiner Amazon-Rezension zitieren. Wer ist Frizztext? Da machen Sie sich mal selbst ein Bild - es lohnt...(www.frizztext.de)

 

"Der Schriftsteller Stefan Zweig hat, kurz vor seinem Freitod am 22. Februar 1942, mit der Montaigne-Biographie den würdevollsten denkbaren Schlusspunkt seines Lebens und Schreibens gesetzt. Zweig identifizierte sich mit Montaigne: Auf Seite 69 seines kleinen Büchleins findet man die Stelle: "Er hat sich verschanzt in seinen Turm, er hat den Wall seiner tausend Bücher zwischen sich und den Lärm gestellt..." Zwar stirbt Zweigs Vorbild Montaigne 1592 eines natürlichen Todes und bringt sich nicht - wie Zweig - zusammen mit seiner Partnerin fern der Heimat um - jedoch parallel ist sicherlich die Flucht eines sensibel wahrnehmenden Menschen vor den Rohheiten der Welt. Zweig flüchtete von Salzburg über London und New York bis nach Rio de Janeiro - in blankem Entsetzen über den Nationalsozialismus - Michel de Montaigne war sicher fast vergleichbar entsetzt über die blutigen Religionsstreitigkeiten zwischen konservativen Katholiken und Hugenotten in seinem spätmittelalterlich-barbarischen Frankreich. Zweig, der heute in Brasilien immer noch sehr bekannt und geehrt ist, wurde von seinen damaligen deutschsprachigen Zeitgenossen wegen seines ausweichlerischen Flucht-Verhaltens gerügt (Karl Kraus, Thomas Mann). Aber war nicht alles bis ins letzte Detail zum panischen Wegrennen bis ans Ende der Welt? Als dort der brasilianische Karneval mit seiner ungehemmten Fröhlichkeit absurd mit der europäischen Kriegswirklichkeit kontrastierte - da flüchtete Zweig weiter ins tiefe Landesinnere nach Petropolis, und als die dortige Provinz-Stadtbücherei sich als gar zu erbärmlich erwies, geschah der Selbstmord, in welchen die Partnerin Stefan Zweigs folgte... Montaigne, dem nicht minder vor den Abschlachtereien der Bartholomäusnacht am 24. August 1572 in seinem Bordeaux gegraust hatte - er wurde von seinen Landsleuten respektiert, fast ehrfürchtig verstanden - und auf dem goldenen Tablett durch alle folgenden Jahrhunderte getragen. Vielleicht sollten sich mehr Menschen mit diesem kleinen Zweig-Montaigne-Büchlein auseinandersetzen - und nachträglich nicht nur den berühmten europäischen Begründer der Essayistik, sondern auch jenen Fluchtmenschen Stefan Zweig besser verstehen lernen ..."